Anton Rüetschi aus Gipf-Oberfrick ist Mitgründer der Stiftung "Pro Fricktal"

"Stiftung 'Pro Fricktal' – damit es hier allen gut geht"

 

 

 

Anton Rüetschi ist der Initiant der Stiftung "Pro Fricktal". Ausschlaggebend für diese Aktion sind für den 65-jährigen Gipf-Oberfricker seine tiefe Verbundenheit zum Fricktal und die Tatsache, dass er bis heute ein gutes Leben hatte. Die Stiftung hat zum Zweck, anderen Menschen ebenfalls ein besseres Leben zu ermöglichen, und das Fricktal in seiner Vielfalt zu fördern.


CHRISTINE AMRHEIN LOOSLI


Herr Rüetschi, wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Stiftung "Pro Fricktal" zu gründen?
Anton Rüetschi:
Während 40 Jahren habe ich bei der Neuen Aargauer Bank gearbeitet, die letzten 22 Jahre als Leiter der Region. Vor fünf Jahren – also nach meiner Pensionierung – habe ich die Rüetschi Treuhand- und Verwaltungs AG in Gipf-Oberfrick gegründet. Immer wieder kommen mir Testamente in die Hände von Personen, die entweder eine eigene Stiftung vorsehen oder einen Teil ihres Vermögens einer Stiftung vermachen wollen.Es sind viele Einzelaktionen, die Mittel sind beschränkt oder speziellen Zielen gewidmet. Dadurch kam mir die Idee, eine Sammelstiftung zu gründen, sozusagen die Handlungen zu bündeln. Der Leitgedanke dabei ist, Geld und Kräfte "aus dem Fricktal für das Fricktal" einzusetzen. Die Stiftung ist sehr breit ausgelegt, damit ein möglichst grosses Spektrum an Bedürfnissen abgedeckt wird. Mit einer Spende von 20 000 Franken kann jeder Stifter oder Destinatär in der Stiftung mitbestimmen, mitarbeiten und mitdenken. Mir ist es ein Anliegen, dass die Stiftung nicht nur mit Geld hilft, sondern auch, dass menschliche Ressourcen eingesetzt und die Beziehungsnetze besser ausgeschöpft werden. Wir wollen allerdings nur dort eingreifen, wo keine staatlichen Gelder fliessen. Dass es hilfsbedürftige Menschen im Fricktal gibt, habe ich vor allem durch meine Frau Rosmarie erfahren: Sie ist bei den Soroptimists und hat sich dort mit der neuen Armut befasst. Und oft ist es so, dass kleine Beiträge grosse Wirkung zeigen, weil sie den Funken der Hoffnung vermitteln.


Zehn Donatoren, 240 000 Franken Startkapital: Wie haben Sie die Leute rekrutiert?

Rüetschi:
In einem beschränkten kleinenKreis habe ich die Idee vorgebracht und gefragt, wer bereit wäre, die Sache zu unterstützen. Der Vorschlag wurde gut und mit Freude aufgenommen. Von den zwölf Angesprochenen haben zehn zugesagt. Die Stifter haben an der Gründungsversammlung im Juni 2001 den Stiftungsrat gewählt. Es sind dies der Präsident Heinz Schmid, Gemeindeschreiber von Frick, der Aktuar Werner Güntert, ehemaliger Gemeindeschreiber von Münchwilen und meine Frau Rosmarie. Als Initiant wollte ich nicht in den Stiftungsrat. Ich habe die Idee gebracht. Sie soll sich weiterentwickeln, ohne dass ich immer die Richtung weise, denn sie darf nicht an meine Person geknüpft sein.

Herr Rüetschi, Sie haben vorher von zwischenmenschlicher Hilfe gesprochen. Wie muss man sich das vorstellen?
Rüetschi:
Die drei Stiftungsräte betreuen je zwei Ressorts. Ihre Aufgabe ist es, Anliegen und Probleme entgegen zu nehmen und an die richtigen Stellen weiter zu leiten. Sie fungieren als Vermittler oder Türöffner bei den entsprechenden Organisationen. In ihrer Arbeit werden sie von den Stiftungsmitgliedern unterstützt. Somit können die Donatoren mitreden, mitdenken und mitbestimmen. Geplant sind zwei Treffen jährlich, bei welchen Anregungen und Vorschläge ausgetauscht werden und bei Bedarf der Stiftungsrat gewählt wird. Das bringt Leben in die Stiftung, sie bleibt dynamisch. Es gibt drei Möglichkeiten, bei der Stiftung "Pro Fricktal" aktiv zu sein: Entweder beteiligt man sich mit einer Spende von 20’000 Franken und wird Donator. Oder man beteiligt sich mit einer kleineren Summe, die im Sinne des Spenders eingesetzt wird. Und die dritte Möglichkeit ist, anstatt Geld Zeit zu investieren und eine beratende Funktion hinzunehmen. Trotz zahlreicher Anlaufstellen ist der Bedarf nach menschlicher Hilfe da. Oft sind Tipps und Anregungen gefragt. Ich erlebe selbst, dass viele Leute zu mir kommen. Schön wäre es, wenn wir wirklich nur wenig Probleme hätten…

Haben Sie konkrete Ziele?
Rüetschi
: Mit 240'000 Franken kann man sich keine hochtrabenden Ziele leisten. Aber vorerst möchten wir im kleinen, bescheidenen Rahmen unserer Möglichkeiten eingreifen. Wir hoffen, dass wir später vermehrt aktiv werden können. Das Echo auf die Presseberichte war auf jeden Fall sehr gut. Die Stiftung "Pro Fricktal" will das ganze Fricktal abdecken, nicht nur die Gemeinden der beiden Bezirke.

Bis jetzt haben Sie vom unteren Fricktal nicht viel gehört. Warum?
Rüetschi:
Für mich gibt es nur ein Fricktal. Es ist einfach unterteilt. Zudem mussten wir irgendwo anfangen und einen Standort stellen. Im Laufe der Zeit wollen wir uns ausweiten. Darum gibt es bis jetzt auch bloss drei Stiftungsräte, damit Räte aus dem unteren Fricktal zugewählt werden können.

Herr Rüetschi, Sie scheinen tief verbunden mit dem Fricktal zu sein. Warum?
Rüetschi:
Ich bin Wittnauer und in Gipf-Oberfrick aufgewachsen. Mir gefällt es hier und ich möchte mein Möglichstes dazu beitragen, dass es anderen hier auch gut geht. Das Fricktal ist ein wunderschönes Gebiet. Als meine Heimat ist es sowieso etwas ganz Besonderes. Ich bin kein Separatist, es geht mir um die Menschen hier, um die Landschaft, die hiesige Kultur und Geschichte. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen es nicht so gut ging. Als ich eine Lehrstelle suchte, waren diese im Fricktal spärlich gesät. Nicht anders war es mit den Arbeitsstellen. Damals beschäftigte die Jakob Müller AG zum Beispiel nur wenige Mitarbeiter. Darum müssen wir zum Erreichten Sorge tragen, es erhalten und fördern. Damit es uns gut geht, müssen wir selber etwas tun und es nicht nur von anderen erwarten. Zudem hat es das Leben gut mit mir gemeint. Daher war es eines meiner Ziele, nach der Pensionierung in einem sozialen Bereich tätig zu werden.

 

 

 

 

 

Zweck der Stiftung "Pro Fricktal":
Die Förderung kultureller und volkskundlicher Belange des Fricktals durch Beiträge an kulturelle Werke und Anlässe, Vereine, Personen und Institutionen, die sich kulturellen und volkskundlichen Aufgaben
des Fricktals widmen.
Die Unterstützung hilfsbedürftiger Bewohner mit Wohnsitz im Fricktal, sei es direkt oder durch Unterstützung von Institutionen, die sich dem gleichen Zweck widmen.
Die Unterstützung umfasst auch Ausbildungsbeihilfen (z.Beispiel Zweitausbildung) und Unterstützung der beruflichen Wiedereingliederung.
Die Förderung der Jugendarbeit durch Beiträge an entsprechende Organisationen und Institutionen. Erhaltung, Förderung und Entwicklung des fricktalischen Lebensraumes in seiner ökologischen, kulturellen und historischen Vielfalt.
Förderung von Jungunternehmen im fricktalischen Raum.
Unterstützung fricktalischer Künstler undKulturschaffender mit Wohnsitz im Fricktal und/oder Bürger einer Fricktaler Heimatgemeinde.

Kontaktadresse: Anton Rüetschi,
c/o Rüetschi Treuhand- u.Verwaltungs AG,
5073 Gipf-Oberfrick, Tel. 062 871 11 19

 

QUELLE: Bezirksanzeiger

 

Artikel als PDF herunterladen

zurück